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Die Friedrich-Schiller-Universität Jena trauert um

Dr. Dr. h. c. Klaus Kübel

(11.02.1941 - 01.12.2008)

Kanzler der Universität Jena von 1990 bis 2007.

Klaus Kübel hat mit unermüdlichem Einsatz den Neuaufbau der Universität vorangetrieben und gestaltet. Er hat ihr Gesicht maßgeblich mit geprägt.
Die Friedrich-Schiller-Universität wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Für die Friedrich-Schiller-Universität Jena


Prof. Dr. Klaus Dicke
Rektor 


Rede des Rektors zur Trauerfeier von
Dr. Dr. h. c. Klaus Kübel am 6. Dezember 2008


Liebe Frau Kübel,
liebe Familie Kübel,
liebe Trauergemeinde,

wir sind heute zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von Klaus Kübel. So wenig wie diese Feierhalle die vielen Mittrauernden aus der Familie, dem Freundeskreis, aus Universität und Stadt Jena fassen kann, so wenig können wir heute den Verlust ermessen und fassen, den sein Tod bedeutet. Klaus Kübel hat sich selbst nichts geschenkt, im Leben nicht, und im Sterben nicht, aber unendlich viel hat er denen gegeben, die mit ihm zu tun hatten, in der Familie, in der Universität und in ihrem Umfeld. Tiefe Dankbarkeit ist deshalb das erste, das wir ausdrücken und aussprechen müssen, um in unsere Trauer hineinzufinden.

Diese Dankbarkeit gilt einer ganz außerordentlichen Lebensleistung, die den Namen Klaus Kübel auf immer mit der Geschichte der Universität Jena verbindet. 1941 in Westpreußen geboren, sammelte der Jurist und später promovierte Arbeitsrechtler Klaus Kübel erste hochschulrechtliche und verwaltungspraktische Erfahrungen an der Universität Gießen, der er 18 Jahre lang diente. Hier formte sich, wie er selbst bei seiner Verabschiedung im Februar 2007 sagte, sein Verständnis der Hochschulverwaltung ‚als gestaltende wie dienende Aufgabe’. Und er lebte dieses Verständnis so überzeugend, dass man heute noch in Gießen mit höchstem Respekt von ihm spricht.

Die Abordnung nach und spätere Ernennung zum Kanzler in Jena und die damit begründete fast 17-jährige Wahrnehmung des Kanzleramtes war ein Glücksfall für die Friedrich-Schiller-Universität. Man muss die Berichte der frühen neunziger Jahre nachlesen, um sich von der herkulischen Arbeitsleistung Klaus Kübels bei der Neuorganisation der Universität einen Begriff machen zu können. Die Sanierung des Hauptgebäudes verstand er als Motivationsakt mit Symbolbedeutung, bei der Evaluierung und sog. Abwicklung bestand er auf Einzelfallbeurteilung, 80 Einzelheizungsanlagen der Universität waren umweltgerecht zu machen und bezahlbar zu halten, 100 Ausschreibungen und Berufungsverfahren bis Ende 1992 banden Zeit in Gremien und Gesprächen – ich könnte die Liste lange fortsetzen. Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, wie das alles unter einen Hut zu bringen war. Und gleichwohl – liest man die Kanzlerberichte von damals, verraten sie in dreifacher Hinsicht eine eindeutige Handschrift - die gedruckten Berichte wohlgemerkt, Klaus Kübels Handschrift konnte bestenfalls er selbst schlüssig lesen:

Erstens hat er sein Gegenüber bedingungslos bei der eigenen Verantwortung gepackt. Ihm war kein Kniff und kein Anreiz zu schade, um bei anderen Leistungswillen freizusetzen. Als es um die Umsetzung der W-Besoldung ging, erläuterte er mir seine Anreize für schulische und Studienleistungen seiner Söhne. Kein Gespräch, telefonisch oder persönlich, war ihm zu viel um zu motivieren. Und er war ein Meister der Anerkennung. Aber das hatte Kehrseiten: Mangelnde Aufrichtigkeit und Eigenleistung hat er gnadenlos angekreidet: Beim Bericht über die Bibliothekssituation in meinem Fach hat er selbstkritisch Kommunikationsdefizite eingeräumt und um Verständnis gebeten, aber in Klammern dann doch den typisch Kübelschen Satz eingefügt: „Bei einer Bestandsanalyse .. zeigte sich, dass auch auf dem bisherigen Flächenbestand durchaus nachhaltige Verbesserungen möglich gewesen wären“. Ja, Klaus Kübel hatte Kanten, und sie waren zuweilen scharf geschliffen, aber immer auch doppelt genäht: durch sachliche Begründung zum einen und eigene Leistung, und oft genug auch Vorleistung, zum andern.

Zweitens hat Klaus Kübel mit einem ausgeprägten Gespür für soziale Verantwortung klimaprägend in der Universität und auch darüber hinaus gewirkt. Seine sozialpolitischen Maßnahmen – Umstrukturierung möglichst ohne Entlassungen, 2/3-Beschäftigungen, um auf zwei Stellen drei Personen unterzubringen u.a. - sind nur die Oberfläche. Blumen aus dem eigenen Garten in vielen Büros, Geburtstags- und Erfolgsgratulationen immer mit sehr persönlichem Bezug, bei denen ihm das phänomenale Gedächtnis für Daten und die Kunst, den richtigen Augenblick abwarten zu können, enorm halfen, gaben dem Universitätsalltag ein familiäres Klima. Was aber vielleicht am wirkungsvollsten war, ist die nahezu kindliche und deshalb extrem ansteckende Freude gewesen, die Erfolge bei ihm auslösten. Was konnte Klaus Kübel sich freuen, wenn ein Antrag erfolgreich war, eine Berufung oder Bleibeverhandlung oder auch nur eine Formulierung gelang, wenn er oder andere einen weiterführenden Einfall hatten, wenn dem Ministerium auch nur ein Quadratzentimeter an Handlungsspielraum abgerungen wurde. Diese Freude hat inspiriert, und zusammen mit der Tatsache, dass er nie um einen Rat verlegen war, hat sie bei all dem, das er sich und der Universität abgefordert hat, die Arbeit an und für diese Universität immer wieder auch zu einer Ode an die Freude gemacht.

Nicht zufällig war eines der Lieblingsworte Klaus Kübels „gestalten“. Gerade in seinen letzten Kanzlerjahren war er bei der Umgestaltung der Universität nach den Gegebenheiten des neuen Hochschulgesetztes, das er in nicht wenigen Details mitgestaltet hat, außerordentlich kreativ. Das erweiterte Rektorat und qualitätssichernde Elemente der Berufungsordnung sind nur zwei inzwischen bewährte Beispiele seiner klugen Kreativität. Und mit der Überschrift seiner Abschiedsrede „Qualität, Qualität, Qualität“ hat er uns ein eindeutiges Mandat hinterlassen.

Bei dessen Einlösung müssen wir nun auf den Rat Klaus Kübels verzichten. Auch dabei hat er uns geholfen, einmal dadurch, dass wir viele, sehr viele Gespräche mit ihm in unserer Erinnerung bewahrt haben, und zum andern dadurch, dass er uns auch das Loslassen vorbildlich vorgemacht hat: Er war da, wenn man ihn fragte, aber eben auch nur dann, dann aber ohne Rücksicht auf den fortschreitenden Krebs und alle Schmerzen, die damit verbunden waren.

Unser Schmerz, unsere Trauer und unser Mitgefühl gilt heute vor allem Ihnen, liebe Frau Kübel und Ihrer Familie. Wenn auch aus gewisser Ferne, vielleicht zu großer Ferne, haben wir doch mit hohem Respekt wahrgenommen, dass Klaus Kübel bis zuletzt zuhause gelitten hat und zuhause gestorben ist. Er war ein Mann von außergewöhnlichen Maßstäben, an sich selbst, an seine Umgebung, und bis zuletzt.

Er wird uns fehlen, und die Universität wird sich mühen, ihm ein ehrendes und würdiges Andenken zu bewahren. Sie wird deshalb Ende des Wintersemesters ein zweitägiges Symposium zu seinem Thema: Qualitätssicherung und Qualitätsförderung in der Universität“ ausrichten. Heute sagt sie: Danke, Klaus Kübel, für alles.

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