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Ein Zwilling kommmt selten allein



Aus der Mineralogischen Sammlung
Orthoklas, nach dem Karlsbader Gesetz verzwillingt


Uni Jena Mineralogische Slg Orthoklas I

Uni Jena Mineralogische Slg Orthoklas II

(Foto: Birgit Kreher-Hartmann/Uni Jena) 

Orthoklas, nach dem Karlsbader Gesetz verzwillingt
Lokalität: Loket, Sokolov, Tschechien
7.5 x 7.0 x 2.8 cm
Inv. Nr. FS 8910 / 55

Als der Mineraloge August Breithaupt im Jahre 1823 den Namen Orthoklas einführte für den Kalifeldspat, da war das Mineral schon einige Jahre bekannt. Der französische Kristallograph  R. J. Hauy  hatte die selbe Mineralart als "Orthose" bereits 1801 beschrieben. Er hat auch durch die praktische Anwendung der Erkenntnis von dem dreidimensionalen Aufbau der Minerale, das Vermessen von Winkeln zwischen Kristallflächen zur Identifikation eines Minerals das Fachgebiet der Kristallographie etabliert.  Es war eine spannende Zeit, in der die morphologische Vielfalt der Minerale im Fokus stand. Dazu gehörte auch das Studium der gesetzmäßigen Verwachsunngen von Mineralen, den Zwillingen.  Bei den Feldspäten, die zu den häufigsten Minerale der Erdkruste gehören, sind gleich fünf prominente Zwillings-Gesetze bekannt.
Der abgebildete Orthoklas-Zwilling ist ein sog. Penetrationszwilling. Zwei einzelne Feldspatindividuen haben sich gesetzmäßig durchdrungen und sind miteinander verwachsen. Es handelt sich um das "Karlsbader-Gesetz". In den Graniten rund um Karlovy Vary / Tschechien (ehem. Karlsbad ) ist dieses Gesetz bei den auftretenden Kalifeldspäten intensiv beobachtet und beschrieben worden.  Zu den Erstbeschreibern und Zeichners dieser Verzwilligung gehört auch J. W. von Goethe.  Er selbst hat z.B. 1821 mehrere solcher bis zu 10 cm großen Kristalle in einer Geschenksendung an die Mineralogische Societät nach Jena geschickt.
Der abgebildete Kristall entstammt nicht dieser Geschenksendung sondern der Sammlung M. R. Ferbers aus Gera, dessen Sammlung 1951 von der Universität Jena angekauft wurde.  Ferber (1805 bis 1875) hatte eine umfängliche Sammlung von gut 10.000 Mineralen zusammengetragen.  Seine Sammlung dokumentierte Ferber sehr ausführlich. Vom abgebildeten Orthoklas wissen wir deshalb, dass der 239.350 Gramm schwere Kristall zusammen mit drei weiteren von dem Diplomaten und Mineraliensammler Heinrich von Struve erworben wurde.  Ferber sammelte systematisch und unter kristallographischem Schwerpunkt. Einige der idealen Kristalle in seiner Sammlung sind, dem Erkenntnisstand seiner Zeit entsprechend, auf den jeweiligen Flächen  bezeichnet.  Die hier auf dem monoklinen Kristall befindlichen Buchstaben "P, M,  T" werden in Blums Mineralogie Lehrbuch, welches Ferber zur Grundlage diente, wie folgt beschrieben:  " Zur Erleichterung der Erklärung bezeichnet man die bei einer Grundform vorkommenden verschiedenen Flächen mit verschiedenen Buchstaben , und zwar die ursprünglichen, primitiven, mit großen, die secundären mit kleinen.  Gewöhnlich werden die von Hauy aus dem Wort pri-mi-tif entnommenen Anfangsbuchstaben der Silben, P,M,T angewendet, und mit P die Grund- und Endflächen, mit M die größeren Seiten- und mit T die kleineren Seitenflächen bezeichnet. Da wo an einer Grundform alle Flächen gleich sind, werden sie auch alle mit P bezeichnet."  (J.R. Blum ( 1854): Lehrbuch der Oryktognosie, Stuttgart, 3. Aufl. 673 S.)
Die Flächenbezeichnungen werden heute nach der Lage der Fläche im Raum mit den so. Millerschen Indizes  vorgenommen.  Der abgebildete Kristall ist aber ein wunderbares Abbild der Entwicklung der Kristallographie in den letzten 200 Jahren.

Der Orthoklas ist zusammen mit vielen weiteren Kristallen noch bis zum 3. April in der Sonderausstellung "Ein Mineral kommt selten allein - Zwillinge und mehr…"in der Mineralogischen Sammlung in Jena zu sehen. Am Sonntag, den 3. April gibt es in der Sonderausstellung von 13 bis 17 Uhr eine "Sonntagsöffnungszeit für die ganze Familie" und um 17 Uhr daran anschließend die "Finissage - die letzte Führung durch die Sonderausstellung". 

Da aber Zwillingsbildungen im Mineralreich ein sehr häufiges Phänomen sind, gibt es auch über diesen Zeitpunkt hinaus in der Dauerausstellung Zwillinge zu bewundern. Unter anderem auch einen der  oben beschriebenen Karlsbader Zwillinge aus einer Geschenksendung Goethes.

Dr. Birgit Kreher-Hartmann

 


Kontakt

Dr. Birgit Kreher-Hartmann

Institut für Geowissenschaften
Mineralogische Sammlung
Sellierstraße 6
07745 Jena
Tel: +49 (0) 3641 948 714

Öffnungszeiten:
Mo und Do 13 bis 17 Uhr
sowie nach Vereinbarung

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