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Ein Geschenk an Goethe

Aus der Mineralogischen Sammlung:
Tisch mit einer Gesteinsplatte vom Rehberger Graben/Harz

 

 

Uni Jena Mineralogische Slg Tisch mit Gesteinsplatte



Uni Jena Mineralogische Slg Gesteinsplatte

Fotos: Birgit Kreher-Hartmann (oben),
Anne Günther (unten)
 


Tisch: 56 x 39.5 x 77.8 cm
Platte: 49 x 32.7 x 1.5 cm (oval)
Inv.-Nr. : GSE004

 Unter dieser Objektbezeichnung vermutet der nichtsahnende Besucher der Mineralogischen Sammlung zunächst nichts Spektakuläres. Aber ein Blick 230 Jahre zurück könnte etwas daran ändern.
Denn im September 1783 unternahm Johann Wolfgang von Goethe seine zweite Harzreise. Sein Hauptinteresse galt bei dieser Reise der Entstehungsgeschichte der Gesteine. Gemeinsam mit Fritz von Stein, dem 10 jährigen Sohn von Charlotte von Stein aus Weimar und dem Vizeberghauptmann Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra erwanderte Goethe u.a. das Bodetal, die Roßtrappe und diverse bergbaurelevante Orte.  Dazu gehörte auch der Rehberger Graben zwischen St. Andreasberg und dem Oderteich. Dieser Graben diente zur Wasserführung und befindet sich geologisch gesehen in einer Übergangszone. Hier stößt der Granit des Brockenplutons an bereits vorhandenes Sedimentgestein, einen sog. Litharenit oder,  in der Feldansprache auch Grauwacke genannt, sowie an Tonschiefer. Wenn ein Pluton aufsteigt und auskristallisiert, dann gibt er seine Wärme an die unmittelbare Umgebung ab. Hierbei bildet sich im Kontaktbereich ein extrem feinkörniges, dunkeles und dichtes Gestein, der Hornfels.  Für die Geowissenschaftler unserer Zeit ist die Entstehung eines Granites aus einer magmatischen Schmelze eine Selbstverständlichkeit. Zur Zeit Goethes war diese Entstehung noch nicht geklärt und so standen auf der einen Seite die "Plutonisten", die von einem aus der Tiefe aufdringenden Magma als Ursprung des Granites ausgingen und auf der anderen Seite die "Neptunisten". Goethe und von Trebra zählten ebenso wie Abraham Gottlob Werner aus Freiberg/Sa. zu den Anhängern des "Neptunismus". Wenngleich Goethe auch mitunter schwankend zwischen beiden Theorien stand. Für die Neptunisten war der Granit das älteste Gestein und die gesamte Erdkruste war durch Ablagerung aus dem Wasser gebildet worden. Diesen Kontakt von dem Brockengranit und  der Grauwacke entdeckten von Trebra und Goethe also während ihrer Wanderung und untersuchten ihn auf´s genaueste. 

30 Jahre später schrieb von Trebra rückblickend: "(...) unter ihnen fanden sich mehrere von jenen Doppelgesteinsarten Granit mit aufgesetztem, eingewachsenen dunkelblauen, fast schwarzen, sehr harten (jaspisartigen) Tonstein. (...) Und wir kamen zusammen heran an den Fuß der Felswand, wo wir nun gar deutlich den Abschnitt des schwarzen Gesteins, auf den blass fleischroten Granit in gar langer Linie sich hinziehend, erkennen konnten. (...) So geschah´s, und wir hatten das seltene vergnügen, den merkwürdigen Abschnittsstrich von hier eingewurzeltem Urgebirge roten Granit und darauf stehenden, dunkel- fast schwarzblauen Tongesteins sehr nahe zu sehen, sogar mit Händen zu greifen." 
Dieses gemeinsame beeindruckenden Erlebnis vom 22. September 1783 veranlasste von Trebra dreißig Jahre später zu einem Geschenk an Goethe.  Am 20. Oktober schickte er zwei geschnittene und polierte Gesteinsplatten aus dem beschriebenen Kontaktbereich an Goethe mit einem Begleitbrief:" In diesem wohl verwarten Verschlage ist ein Geschenk verwahrt, das ich als wahres Gelübde, seit wohl schon 30 Jahren her, meinem edlen Freunde Goethe im herzen zugesagt habe, zum immerwährenden Andenken, an unserer gemeinschaftliches Beschleichen der Natur. Das Exemplar, welches auf der Rückseite mit einer Stelle aus unseren Beschleichungsdialogen beschrieben ist, gehört Dir, dem Miterfinder zu, das 2te wo nichts aufgeschrieben ist, habe die Güte, und übergieb es an unseren allergnädigsten Herrn, den auch mir so auszeichnend gnädigen Herzog, zu unserer beider, der Erfinder Andenken. (...) Goethe antwortete auf den Erhalt: "Fürwahr! Du hast mich, mein würdiger, verehrter Freund, durch Deine Sendung überrascht und durch die herrlichen Platten in Erstaunen gesetzt. Ich erinnere mich wohl manchmal unserer kühnen Wagnisse zur Entdeckung eines geologischen Punktes, der noch heut zu Tage so gut wie damals höchst bedeutend und wie die wenigen ihm ähnlichen Fälle, immer noch ein Rätsel bleibt. (,,,)"  Bereits einige Tage später, Anfang November 1812 übergab Goethe das Geschenk an Johann Georg Lenz, Professor für Mineralogie und Direktor der "Herzoglichen Societät für die gesammte Mineralogie zu Jena. Goethe  äußerte sich über die geschenkten Tischplatten am 9. November 1812 in einem Brief an Chr. G. Voigt." (...) Trebra ließ ein Paar ovale Tischplatten daraus schneiden und polieren, diese hielt er die lange Zeit her am Herzen und fasste nur jetzt erst den Vorsatz, sich derselben zu entäußern. Eine verehrte er Durchlaucht, dem Herzog, die andere mir. Die erste ist nun zur Bewunderung und zum Kreuz der Mineralogen hier (in Jena) niedergelegt, die andere hoffe ich in Weimar vorzuweisen."

Der Tisch war bisher in folgenden Ausstellungen zu bewundern:
"Abenteuer - Natur - Spekulation, Goethe und der Harz"
Ausstellung zum 250. Geburtstag von J.W. von Goethe auf Schloß Werningerode, 29. August bis 01. November 1999
und
"Kultur des Sinnlichen"
im Schiller-Museum Weimar
16. März bis 10. Juni 2012.

Birgit Kreher-Hartmann

Kontakt

Dr. Birgit Kreher-Hartmann

Institut für Geowissenschaften
Mineralogische Sammlung
Sellierstraße 6
07745 Jena
Tel: +49 (0) 3641 948 714

Öffnungszeiten:
Mo und Do 13 bis 17 Uhr
So 13 bis 17 Uhr
sowie nach Vereinbarung

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