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Erfolgreicher Wirkstoff-Fahnder

Naturstoff-Forscher Prof. Dr. Christian Hertweck erhält Leibniz-Preis der DFG
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10.12.2014

 

Die wirksamsten Mittel gegen Erkrankungen finden sich oft in der Natur. Doch diese Wirkstoffe zu finden und zu analysieren, ist eine der gro­ßen Herausforderungen der Wissenschaft. Ein erfolgreicher Wirkstoff-Fahnder ist Prof. Dr. Christian Hertweck, der seit 2006 an der Friedrich-Schiller-Univer­si­tät Jena den Lehrstuhl für Naturstoffchemie innehat und zugleich die Abteilung Biomolekulare Chemie am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infekti­onsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI) leitet. Für seine bahnbrechenden Er­kennt­nisse und seine Forschungen wird der 45-Jährige mit dem wichtigsten deutschen Forschungsförderpreis für das Jahr 2015 ausgezeichnet, wie die Deut­sche Forschungsgemeinschaft (DFG) am 10. Dezember bekanntgegeben hat. Prof. Hertweck gehört zu den acht Preisträgern, denen am 3. März 2015 der renommierte und mit jeweils 2,5 Mio. Euro dotierte Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis überreicht wird.

Pflanzenkrankheiten werden oft durch Pilztoxine ausgelöst. Diese Gifte werden von den Pilzen produziert - so lautete die gängige Meinung, bis Christian Hert­weck und sein Team erstmals beweisen konnten, dass auch symbiotische Bak­terien, die im Inneren der Pilzzellen leben, Toxine produzieren. Er entdeckte dies z. B. am Reisfäule-verursachenden Pilz Rhizopus microsporus, der en­do­symbiotische Bakterien der Gattung Burkholderia enthält, die für die Bildung des Giftes Rhizoxin gegen die Reispflanzen verantwortlich sind.


Ent­deckung einer völlig neuen Antibiotika-Familie

Ein regelrechter Paukenschlag gelang Hertweck und seinem Team mit der Ent­deckung einer völlig neuen Antibiotika-Familie bei Bakterien, die nur in Sauer­stoff-freier Umgebung gedeihen können. Bislang nahm die Fachwelt an, dass solche Bakterien aus Energiemangel nur unbedingt lebensnotwendige Subs­tan­zen produzieren. Mit dem neu entdeckten Wirkstoff Closthioamid wurde dieses Dogma widerlegt. Closthioamid wurde erst gebildet, als das Team des Preis­trä­gers die natürlichen Lebensbedingungen des Bakteriums im Labor simulierten.

Dies sind nur zwei beispielhafte Forschungsergebnisse, mit denen der Jenaer Wirkstoff-Experte in der Wissenschaft für Furore gesorgt hat. Insgesamt hat der gebürtige Bonner schon über 200 Publikationen vorgelegt und 16 Patente an­gemeldet, denn neben der Grundlagenforschung sind Hertweck auch der Wis­senstransfer und die Anwendung wichtig.


Eine personifizierte ,Brü­cke'

"Christian Hertweck ist ein weltweit angesehener Wissenschaftler auf dem Ge­biet der Naturstoff-Forschung. Er verbindet chemische und biologische Metho­den auf höchstem Niveau. Zudem ist er eine der vielen personifizierten ,Brü­cken', die die Friedrich-Schiller-Universität mit den außeruniversitären Instituten verbindet", würdigt Universitäts-Präsident Prof. Dr. Walter Rosenthal den Preis­träger.

"Christian Hertweck hat als Pionier das metabolische Potenzial von ,vernach­läs­sigten' Mikroorganismen und ,kryptischen' oder stillen Biosynthesewegen nutz­bar gemacht", betont HKI-Direktor Prof. Dr. Axel Brakhage. "Er ist darüber hi­n­aus international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Erzeugung metaboli­scher Diversität und der Rolle von Naturstoffen als Informationsträger in mikro­bi­ellen Interaktionen. Nicht zuletzt hat er durch grundlegende Entdeckungen im Bereich der Genom-basierten Naturstoff-Forschung eine hohe wissen­schaftli­che Reputation erworben, von der auch der Standort Jena profitiert."

Die wissenschaftliche Exzellenz Hertwecks spiegelt sich auch darin wider, dass er unter anderem Rufe an die TU München und an die ETH Zürich erhalten - und zum Glück für Jena: abgelehnt - hat. Hertweck ist zudem Gründungsmit­glied der Graduiertenschule "Jena School for Microbial Communication" (JSMC) an der Universität Jena, die in der Exzellenz-Initiative des Bundes und der Län­der gefördert wird. Bei der Etablierung des neuen Sonderforschungsbereichs "Chemische Mediatoren in komplexen Biosystemen" (ChemBioSys) an der Friedrich-Schiller-Universität war Prof. Hertweck gemeinsam mit dem Chemiker Prof. Dr. Georg Pohnert ebenfalls federführend beteiligt. Hier belauscht und ent­schlüsselt ein interdisziplinäres Team das chemische Stimmengewirr in Biosys­te­men mit Pilzen, Bakterien, Mikroalgen, Pflanzen, Tieren und Humanzellen.

"Ich freue mich sehr über die Würdigung unserer Arbeiten, denn sie signalisiert uns: Macht weiter auf dem Gebiet", sagt Hertweck. "Und wir bekommen so die einzigartige Chance, neue Wege einzuschlagen und langfristige Projekte anzu­gehen mit bislang wenig untersuchten, zum Teil schwer kultivierbaren Mikro­or­ga­nismen. Die Suche nach neuen Wirkstoffen bedeutet: viel Grundlagen­for­schung mit Anwendungsperspektive, ganz im Sinne von Gottfried Wilhelm Leib­niz."

Kontakt:
Prof. Dr. Christian Hertweck
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e. V. - Hans-Knöll-Institut
Adolf-Reichwein-Straße 23
07745 Jena
E-Mail:

 

Meldung vom: 2014-12-10 15:12
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