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Von der Eifel bis zum Mond


aus der Mineralogischen Sammlung des Institutes für Geowissenschaften
ein Relief des Ulmener Maares in der Eifel (Le Volcan d‘Uelmen dans l‘Eifel. Exécuté par Thomas Dickert, um 1845)

Das Reliefmodell des Ulmener Maares in der Eifel wird in der Mineralogischen Sammlung des Institutes für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena aufbewahrt und ist Teil der aktuellen Sonderausstellung "Relief und Karte. Geländedarstellungen seit 1800", die noch bis zum 31. März 2014  im Ernst-Haeckel Haus gezeigt wird.

FSU Mineralogische Sammlung Eifelrelief Dickert 1840er


In der Mineralogischen Sammlung des Institutes für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena wird neben Mineralien, Meteoriten und Tektiten (Glasobjekte, die durch Meteoriteneinschläge entstehen) und Modellen von Kristallstrukturen u.a. auch ein unscheinbares Relief des Ulmener Maares in der Eifel verwahrt (Inv.Nr. E004/O10). Anhand eines aufgeklebten Titelschildes (Le Volcan d'Uelmen dans l'Eifel. Exécuté par Thomas Dickert) lassen sich sowohl der Hersteller, als auch der regionale Bezug nachweisen.


FSU Mineralogische Sammlung Eifelrelief Dickert (Titelschild)


Farbig hervorgehoben sind das Anliegen von Sandstein und Tonschiefer (Grés et phyllades) sowie die Durchmischung dieser Gesteine mit Vulkanasche (Fragmens de phyllade et de grés avec cendres volcaniques). Dieses mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommene Objekt birgt eine interessante Geschichte, die nachfolgend vorgestellt werden soll.

FSU Mineralogische Sammlung Tonschiefer Sandstein

Anlässlich der Ersten (Allgemeinen) Deutschen Industrie-Ausstellung, die 1842 in Mainz stattfand, präsentierte Thomas Dickert (1801-1883), Konservator am Naturhistorischen Museum der Universität Bonn, ein naturgetreues Relief des Siebengebirges und seiner Umgebung. [1] Die Höhen der detailgetreu dargestellten Berge waren barometrisch bestimmt worden, die Topographie der Landschaft authentisch in ihrer Plastizität nachempfunden. Das Relief war aus einer pappmachéartigen Masse hergestellt, in einem schützenden Kästchen gelagert und mit einem Deckel verschließbar. Aufhorchen lässt folgende Anmerkung: "Der Herr Aussteller [Dickert] beabsichtigt auch von anderen interessanten Gebirgspunkten ähnliche Reliefs darzustellen und sie käuflich abzugeben. Sein nächstes Augenmerk ist in dieser Beziehung auf die wichtigen vulkanischen Berge der Eiffel gerichtet, durch deren plastische Darstellung er sowohl die topographische als die geognostische Kenntniß derselben wesentlich fördern wird."[2] Ein Förderer Dickerts war der Geologe Johann Jacob Nöggerath (1788-1877), ab 1821 ordentlicher Professor für Mineralogie und Bergwerkswissenschaften an der 1818 neugegründeten Universität in Bonn. Nöggerath setzte sich dafür ein, dass Dickert weitere Modelle für die Lehrsammlung der Universität anfertigte.

FSU Mineralogische Sammlung Eifelrelief Dickert 1840er


Die Liste der realisierten Reliefs ist beachtlich: Vesuv und Monte Somma und ihre Umgebung | Die Insel Palma, eine der Kanarischen Inseln | Die Insel Teneriffa mit ihrem riesigen Vulkan Pic de Teyde | Die Insel Lanzarote mit ihren Vulkanen | Das Siebengebirge | Der Laacher See bei Andernach und seine Umgebung, Die Gegend des Mosenbergs und des Meerfelder Maars bei Manderscheid in der Eifel | Die vulkanische Gegend von Bad Bertrich an der Mosel | Die Gegend des Zobtenbergs in Schlesien | Die berühmte Galmei-Lagerstätte vom Altenberg (Vieille Montagne) bei Aachen | Darstellung der geognostischen und bergmännischen Verhältnisse des Steinkohlengebirges des Bergwerks zu Wellesweiler bei Saarbrücken - und Das Maar von Uelmen in der Eifel mit seiner Umgebung.[3]

Ursprünglich als Einzelstücke vorgesehen, wurden die Reliefmodelle schließlich als didaktisches Lehrmittel vertrieben. Als Grundlage dienten Karten und Profilzeichnungen der dargestellten Regionen. Eine Besonderheit war die 'geognostische Illuminierung': Nach neuesten geologischen Erkenntnissen wurden die an der Oberfläche sichtbaren Gebirgsarten farbig hervorgehoben; auch Ortschaften und Infrastrukturen wurden angedeutet und zur besseren Orientierung beschriftet. Die Erdoberfläche war dabei entweder in einem einheitlichen Maßstab angefertigt, wodurch eine naturgetreue, plastische Darstellung möglich war, oder aber die vertikale Ausdehnung wurde überhöht wiedergegeben, um die Topographie der Landschaft eindrücklicher zu visualisieren.

1849 wurde Dickert durch den an der Sternwarte in Bonn tätigen Astronomen Johann Friedrich Schmidt (1825-1884) dazu angeregt, die sichtbare Hemisphäre des Mondes als Relief zu modellieren. Grundlage war die durch  Wilhelm Beer (1797-1850) und Johann Heinrich von Mädler (1794-1874) in den Jahren 1834 bis 1837 publizierte Mondkarte.[4] 1854 war das eindrucksvolle plastische Modell der vorderen Mondhemisphäre mit einem Durchmesser von über 580 cm fertiggestellt.[5] Die Oberfläche des Mondes war dabei dreifach überhöht worden. Nicht weniger als 20.000 unterschiedliche Objekte (Krater, Mare, Ebenen und Ringgebirge) wurden auf 116 gegossenen, sphärischen Gipsplatten hervorgehoben. Jede Platte deckte einen Bereich von 15 Grad Länge und 15 Grad Breite ab, die Fugen bildeten das Koordinatennetz. Bei entsprechender Beleuchtung der Mondhemisphäre konnten auch die jeweiligen Himmelskonstellationen veranschaulicht werden. Einzelne Segmente der dreidimensionalen Mondhemisphäre konnte man separat durch Dickert beziehen. Das repräsentative Mondrelief wurde auf verschiedenen Ausstellungen präsentiert. Seine Spur verliert sich um 1900 in den USA, hier wurde es zuletzt im "Field Columbian Museum" in Chicago präsentiert.[6]

Von der Eifel bis zum Mond spannt sich das Oeuvre von Thomas Dickert, dessen naturhistorische Lehrmittel in Museen, Lehr- und Universitätssammlungen Einzug gehalten haben. Neben den Reliefmodellen von Erde und Mond fertigte Dickert auch Glasmodelle von Kristallen und Gebissmodelle von Schnecken (gemeint waren Abdrücke der Raspelzunge). Engagiert war er um die populäre Verbreitung seiner Modelle bemüht: "Alle Gegenstände haben kein grosses Gewicht und können füglich durch Post oder Eisenbahnen versandt werden."[7] Das hier präsentierte Modell Le Volcan d'Uelmen dans l'Eifel gelangte über Umwege, möglicherweise über das Naturhistorische Museum in Weimar [8], schließlich an die Mineralogische Sammlung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo es der interessierten Öffentlichkeit gezeigt wird.

Wer mehr über die Vielfalt der Darstellungsformen der Erde erfahren will, ist herzlich eingeladen, die aktuelle Sonderausstellung im Ernst-Haeckel-Haus, "Relief und Karte. Geländedarstellungen seit 1800", zu besuchen. Diese wird noch bis zum 31. März 2014 in der Berggasse 7 | 07745 Jena präsentiert.

Einlasszeiten: Di-Fr 10.00, 11.30, 14.00, 15.30 Uhr | Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Weitere Informationen unter

[1] Rößler, Hektor (Verf.): Ausführlicher Bericht über die von dem Gewerbeverein für das Großherzogthum Hessen im Jahre 1842 veranstaltete Allgemeine deutsche Industrie-Ausstellung zu Mainz. Darmstadt 1843, S. 217.
[2] Ebd., S. 218.
[3] Vgl. die entsprechende Auflistung in einer Werbeannonce Dickerts in: Verhandlungen des naturhistorischen Vereines der preussischen Rheinlande und Westphalens 24 (1867).
[4] Vgl. Beer, Wilhelm und Mädler, Johann Heinrich von: Mappa selenographica totam lunare hemisphaeram visibilem complectens. Berlin 1834. [http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/57760/1/cache.off]
[5] Vgl. Schmidt, Johann Friedrich: Das Relief der sichtbaren Halbkugel des Mondes. Bonn 1854. [http://www.e-rara.ch/zut/content/titleinfo/951963]
[6]Vgl. Farrington, Oliver C.: The Schmidt-Dickert Moon Model. In: Science 9:210 (1899), S. 35-36.
[7] Vgl. die entsprechende Auflistung in einer Werbeannonce Dickerts in: Verhandlungen des naturhistorischen Vereines der preussischen Rheinlande und Westphalens 24 (1867).
[8] Vgl. Halbfaß, Wilhem: Die noch mit Wasser gefüllten Maare der Eifel. In: Verhandlungen des naturhistorischen Vereines der preussischen Rheinlande und Westphalens 24 (1896), S. 310-335, hier die Fußnote auf S. 311.

Andreas Christoph (Ernst-Haeckel-Haus, Jena)
Kontakt
Dr. Andreas Christoph


Ernst-Haeckel-Haus
Berggasse 7
07745 Jena

Tel.: +49(0)3641 949 500

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